Sehr groß war das Interesse von Eltern und Erzieherinnen an einem Informationsabend zum Kinderbildungsgesetz (KiBiz), zu dem die SGK im Kreis Steinfurt eingeladen hatte.
Wolfgang Jörg, familien- und jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion war nach Emsdetten gekommen, um nach einer kurzen Begrüßung durch den SGK-Vorsitzenden Andreas Sievert über die geplanten Veränderungen des KiBiz zu berichten.
“Die alte Landesregierung hat mit der Einführung des sogenannten Kinderbildungsgesetzes einen kinder- und jugendpolitischen Totalschaden hinterlassen”, stellte Jörg gleich zu Anfang seiner Ausführungen fest. Bei der Betreuung der Unter-Drei-Jährigen Kinder sei NRW sogar Schlusslicht im Ländervergleich. Mit Sofortmaßnahmen versuche die neue Landesregierung nun, zunächst die Personalsituation zu entschärfen. Neben der Öffnung von Gruppentyp 1 und 2 für Kinderpflegerinnen würden zum neuen Kindergartenjahr 2011/2012 zusätzliche 1000 Stellen für Praktikantinnen bereitgestellt. Die Förderung von Kindern, bei denen eine Behinderung festgestellt werde, solle zukünftig zeitnah erfolgen. Besondere Aufmerksamkeit werde der Verbesserung der Sprachförderung geschenkt. Hierbei wolle die Landesregierung vor allem auf die Erfahrungen von Erzieherinnen als Expertinnen mit langjähriger Erfahrung zurückgreifen. Die Familienzentren würden mit zusätzlichen finanziellen Mitteln unterstützt und zukünftig nicht mehr im “Gießkannenprinzip”, sondern unter Berücksichtigung sozialer Kriterien gefördert. In einem ersten Schritt werde ab Sommer 2011 das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei gestellt. Weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Zeit erfordere allerdings der besonders schwierige Bereich der Umstellung bei der Finanzierung. Da die Eltern die Betreuungsplätze für das Jahr 2011/2012 bereits gebucht hätten, werde die Umstellung von der Stundenpauschale noch nicht zum neuen Kindergartenjahr erfolgen können. Es müsse zunächst sorgfältig geprüft werden, in welcher Form die komplette Neustrukturierung des Systems sinnvoll sei. Derzeit werde intensiv daran gearbeitet, im Vergleich mit anderen europäischen Ländern die bestmögliche Variante zu erarbeiten.
“Wir sind uns auch bewusst, dass sich an der Erzieherinnenausbildung einiges verändern muss”, betonte Jörg. “Die Erfahrungen aus anderen Ländern haben uns aber gezeigt, dass solche Veränderungen sehr lange dauern”. Ebenso sei die Fort- und Weiterbildung ein Bereich, der dringend verbessert werden müsse, nicht zuletzt weil sie derzeit sehr teuer sei.
“Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, den wir nur erfolgreich umsetzen können, wenn sie uns mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen helfen”, appellierte der familien- und jugendpolitische Sprecher an die etwa einhundert anwesenden Erzieherinnen und Eltern. Die Bildung der Jüngsten dürfe nicht mehr vom persönlichen Schicksal und dem Einkommen der Eltern abhängen. “Allen sollte die bestmöglichen Chancen unserer Kinder wichtig sein. Deshalb muss die gesamte Bildung, auch in den frühkindlichen Betreuungseinrichtungen steuerfinanziert sein”, erklärte Jörg in der anschließenden Diskussion. “Finanzierung in Steine wird als Investition gesehen, Finanzierung in Bildung und Erziehung als Verschuldung. Diese Sichtweise müssen wir ändern”, erklärte auch Landtagsabgeordnete Elisabeth Veldhues. In der anschließenden Diskussion nahm die Sozialexpertin auf Nachfrage Stellung zu dem wichtigen Zukunftsthema der Inklusion. “Für uns ist Inklusion ein Prozess, der schrittweise kommen muss. Das Beste wäre, wenn möglichst alle Kinder den Regelkindergarten um die Ecke besuchen könnten. Wir wissen allerdings, dass Kindern ein Recht auf gezielte Förderung haben, z. B. durch Ergotherapie”. Auch die Problematik, geeignetes Personal zu finden, wurde angesprochen. Hier seien jedoch Kommunen und Träger gefordert, betonte Jörg.
Die Abhängigkeit von den Buchungsstunden der Eltern wolle die Landesregierung so schnell wie möglich abschaffen, versicherte Jörg. Dazu sei jedoch die Umstellung des kompletten Finanzierungssystems notwendig. Er hoffe auf eine Umsetzung zum 1. August 2012. In jedem Fall wolle die Landesregierung ihre Vorstellungen in Zukunft weiterhin im engen Dialog mit Erzieherinnen, Eltern und weiteren ExpertInnen weiterentwickeln. Das große Interesse von allen Seiten stimme ihn optimistisch, so Jörg.