„Der Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt lässt sich nicht so einfach verordnen!“ Inklusion, viel strapaziertes Schlagwort der Sozialpolitik, reduziert sich häufig darauf: Möglichst viele Menschen mit Behinderungen sollen auf den ersten Arbeitsmarkt. Ralf Hagemeier erklärte in Ibbenbüren, dass das so nicht funktionieren und – viel schlimmer – den Bedürfnissen dieser Personen nicht ansatzweise gerecht werde. Der Diplom-Volkswirt ist seit zehn Jahren Geschäftsführer der Ledder Werkstätten (LeWe). Zu Gast in der LeWe-Betriebsstätte Maybachstraße waren 25 Mitglieder des SPD-Arbeitskreises 60plus.
Ältere Sozialdemokraten sind das, die sich bei ihren kreisweiten Treffen umfassend informieren, beispielsweise den Tecklenburger Land Tourismus-Verband besuchten oder sich den neuen Bio-Energiepark Saerbeck angeschaut haben. Dieses Mal also Sozialpolitik und nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion war klar: Plakative Forderungen wie „Raus aus der Werkstatt“ seien fern jeder Realität und hätten gar schlimme Folgen für Betroffene. Denn „die Akteure des allgemeinen Arbeitsmarktes lassen sich durch finanzielle Strafen oder Anreize nicht ausreichend bewegen“, so Hagemeier. „Wir entrationalisieren, wir entschleunigen“, umschrieb der Geschäftsführer das Grundprinzip seiner diakonischen Einrichtung, „Teilhabe durch Arbeit“, also ein Arbeitsumfeld um den Menschen zu kreieren. Die passende Tätigkeit zu finden, das sei aber nur der eine Part. Den Menschen anschließend dauerhaft und professionell zu begleiten, damit Inklusion nachhaltig gelinge, das sei entscheidend. Genau das sieht Hagemeier aktuell in Firmen und Betrieben nicht im Ansatz gewährleistet. Er nannte einige Eckdaten der Ledder Werkstätten (über 35 Standorte, 1200 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, 370 Wohnmöglichkeiten) und definierte sein Verständnis von Inklusion: Selbstverständlich Lösungen für Einzelne zu finden, die ihnen den dauerhaften Zugang zum ersten, dem so genannten allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichten, aber dabei immer die Personen in den Werkstätten wahrzunehmen und nicht zu vergessen, die diesen Weg nicht wählen könnten. Werkstatt sei Teil der Inklusion, wenn man Teilhabe am Arbeitsleben wirklich für alle wolle.
Die AG 60 plus hatte viele Fragen, zum Beispiel die nach den Kosten der Eingliederungshilfe. Menschen mit Behinderungen ließen sich nicht auf einen „Kostenfaktor“ reduzieren, so Hagemeier. Das sei nicht solidarisch unter dem Aspekt der Wertigkeit dieser Menschen und außerdem falsch, weil auch diese Personen einen Mehrwert für die Gesellschaft durch ihren Beitrag in der Werkstatt erwirtschafteten. Echte Inklusion erfordere auch ehrlich gemeinte Solidarität der Gesellschaft. Die Menge der Anbieter auf dem Markt der Eingliederungshilfe sprachen die Sozialdemokraten an. Hagemeier sah darin keine Konkurrenz, sondern eine ergänzende Vielfalt, die passende Lösungen anbiete. Zum Beispiel in Integrationsbetrieben, in denen deutschlandweit 50.000 Menschen mit Behinderungen arbeiten. „Man kann die Menschen aber nicht zwangsweise zu diesen Anbietern schicken.“






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