Kreis-SPD verlangt Aufklärung zum Einsatz von Antibiotika bei Tieren / „Kreis Steinfurt ist bundesweit schwarzes Schaf“

Martina Kamphues, Foto: Pat Röhring

Die SPD-Kreistagsfraktion sieht exzessiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung kritisch. Dieser führt zunehmend zu sog. „multiresistenten Keimen“, eine antibiotische Behandlung zeigt dann keine Wirkung mehr. Noch gefährlicher: Untersuchungen zeigen, dass die Übertragung resistenter Keime auch auf den Menschen möglich ist. Krankenhäuser und Altenheime drohen so sich zu Gefahrenherden zu entwickeln.

Eine deutschlandweite Untersuchung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz BVL, zeigt jedoch Erfreuliches. Seit 2011 habe sich der Einsatz von Antibiotika bei Tieren mehr als halbiert. Wurden 2011 noch 1.700 Tonnen eingesetzt, seien es im vergangenen Jahr noch 742 gewesen.

Kreis Steinfurt ist eines der schwarzen Schafe

Eine gute Nachricht also. Eigentlich. Doch die SPD-Umweltexpertin Martina Kamphues beklagt: „Die Untersuchung des BVL zeigt leider auch, dass der Kreis Steinfurt eines der schwarzen Schafe ist. Mit Ausnahme des Emslandes setzt keine Region mehr Antibiotika ein – bundesweit!“

Die Sozialdemokraten wollen daher Aufklärung. In einer aktuellen Anfrage wollen sie von Landrat Dr. Effing wissen, wie der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung im Kreis Steinfurt verlaufen ist. „Der Landrat muss uns erklären, warum sich die Lage scheinbar in ganz Deutschland verbessert, nur im Kreis Steinfurt nicht“, so Kamphues weiter.

 

 

Infos vom Robert-Koch-Institut zu Antibiotikaresistenzen:

Der Anteil des Einsatzes von Antibiotika bei landwirtschaftlichen Nutztieren am Resistenzproblem beim Menschen lässt sich gegenwärtig noch nicht genau beziffern und kann auch bei den einzelnen für den Menschen bedeutsamen Erregern, Resistenz(gen)en und Tierarten unterschiedlich sein.

Es ist unstrittig, dass bestimmte resistente Bakterien oder ihre Resistenz­gene aus dem Bereich der Landwirtschaft (wie etwa der Tiermast) auf den Menschen übertragen werden können.

  • Genauere Daten gibt es für den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, MRSA. Der bei konventionell gehaltenen Masttieren (Schweine, Rinder, Geflügel) vorwiegend als Besiedler weit verbreitete Livestock-assoziierte MRSA CC398 (LA-MRSA CC398) besiedelt vor allem Menschen mit beruflichen Kontakten zu diesen Tieren und tritt auch als Infektionserreger bei Menschen auf.

Dementsprechend gibt es in Deutschland regionale Unterschiede. In Regionen mit einer hohen Dichte an Mastanlagen stieg der Anteil von LA-MRSA CC398 unter allen MRSA aus Infektionen beim Menschen auf rund 10% an.

Bei mehrfachresistenten Darmbakterien ist die Situation weniger klar. Diese Bakterien bilden Enzyme, die sogenannten Extended Spectrum Beta-Lacta­masen (ESBL), die eine wichtige Gruppe von Antibiotika unwirksam machen können.

  • Studien zeigten eine Verbreitung über alle Altersgruppen von 4-8% ESBL-bildenden Escherichia (E.) coliim Darm der Allgemeinbevölkerung in Deutschland.

Die molekulare Typisierung der Resistenzgene zeigte, dass die Hälfte dieser resistenten E. coli eine ESBL-Variante bilden, die fast aus­schließ­lich beim Menschen vorkommt und durch den Antibiotikaeinsatz im ambulanten Bereich und im Krankenhaus selektiert werden kann.

  • Circa 5% der humanen ESBL-E.-coli stammen vom Tier, wie vergleichende Erbgutanalysen zeigen.
  • Der Anteil der coli mit ESBL-Varianten, die sowohl beim Menschen als auch beim Tier bzw. Tierprodukt vorkommen, liegt bei 25-30%. Eine Aufnahme über (ungekochte) Lebensmittel wäre somit möglich, weshalb der Küchenhygiene besondere Bedeutung zukommt. Ausführliche Informationen zum Thema Lebensmittelsicherheit und Antibiotikaresistenzen sind beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) abrufbar (www.bfr.bund.de > A-Z Index > Antibiotikaresistenz). Beim BfR ist auch ein Verbrauchermerkblatt zum Thema Schutz vor Lebensmittelinfektionen zu finden.

Quelle: http://www.rki.de

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