Wo nun Rehwild und Füchse leben

AG 60 plus informiert sich über die Zukunft des Bergwerks Ibbenfüren

Auf der Kläranlage erläuterten Dr. Marlene Klatt (m.) und Norbert Börgel (3.v.l.) die Aufarbeitung des Grubenwassers.

Fotos und Text: Gerd Cosse

Ibbenbüren/Kreis Steinfurt. Ende 2018 wurde die Steinkohlenförderung in Ibbenbüren eingestellt. Das Bergwerk wird geräumt und verschlossen. Um die erforderliche langfristige Wasserhaltung umweltgerecht betreiben zu können, laufen umfangreiche Vorbereitungsarbeiten. Außerdem werden die riesigen Halden, auf denen der Abraum aus dem Bergwerk gelagert wurden, begrünt und renaturiert.

Welche Maßnahmen zurzeit für die Zukunft durchgeführt werden, darüber informierte sich die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus des Kreises Steinfurt bei der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH. Historikerin Dr. Marlene Klatt und Forstwirtschaftsmeister Norbert Börgel begrüßten die Gäste aus dem Kreis und erläuterten an verschiedenen Orten des riesigen Betriebsgelände die Arbeitsweise.

Auch nach Stilllegung des Bergwerks muss eine Grubenwasserhaltung betrieben werden, da weiterhin Regenwasser in die Grubenräume fließt und den Wasserspiegel ansteigen lässt. Ohne regulierende Eingriffe würde das Grubenwasser an der Erdoberfläche durch Öffnungen des Altbergbaus austreten und unkontrolliert abfließen. Daher zählt die Grubenwasserhaltung für die RAG zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Auf der Kläranlage wurde den Gästen erläutert, wie das Wasser aus der Tiefe gepumpt und gereinigt wird, damit es den Bächen und letztendlich der Ems zugeführt werden kann.

Sichtlich begeistert berichtete anschließend Norbert Börgel von den Rekultivierungsmaßnahmen der Bergehalden am Rudolfschacht und der Hopstener Halde. Baumbestände von Buche, Eiche, Ahorn, Esche oder Kirsche finden sich auf den Bergehalden ebenso wieder wie Wildobstgehölze, Schlehe, Wildrose, Weißdorn, Haselnuss und Eberesche. Dazu gesellen sich Schwarzkiefern, Birken, Akazien oder Linden sowie in höheren Bereichen der Halden auch Heide. „Ein großes Anliegen ist es, heimische Pflanzenarten anzusiedeln“, erläuterte der Forstfachmann. Feuchtbiotope gehören ebenfalls zum Naturraum Halde. „Die Halden sollen sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen“, sagte Börgel. Zusammen mit seinem Team vom Forstbetriebshof der RAG Anthrazit Ibbenbüren kümmert er sich nicht nur um die Bepflanzung, sondern auch um die Instandhaltung der Bergehalden. Das bedeutet Kulturpflege, Freihalten der Wege, Durchforsten der Baumbestände und viele weitere Aufgaben. Bei der täglichen Arbeit begegnet das Team hin und wieder Wildtieren, die sich die Bergehalden als Lebensraum ausgesucht haben: Rehwild, Kaninchen, Hasen, Fasanen und Füchsen sowie – seltener – auch Dachsen oder Uhus. Ebenso siedelte sich eine große Vielfalt an Singvögeln auf den Halden an.

Die 201 Meter hohe Bergehalde am Rudolfschacht ist für Bürgerinnen und Bürger zum Teil frei zugänglich. Auf der endgestalteten Nordostseite finden Besucher ein kleines Naherholungsgebiet. Insgesamt 40 der 98 Hektar der Landmarke können von der Bevölkerung genutzt werden. Spazieren gehen, joggen oder einfach nur in der Natur die Seele baumeln lassen: All das ist hier möglich. Rund um die Bergehalde am Rudolfschacht verläuft ein sechs Kilometer langer Wanderweg. Ein weiterer Pfad schlängelt sich hinauf zum Gipfelkreuz, wo Besucher bei entsprechenden Wetterverhältnissen eine wunderschöne Aussicht auf das Tecklenburger Land genießen können.

 

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