Stabiler Arbeitsmarkt dank Kurzarbeitergeld

Ingrid Arndt-Brauer

Rheine/Kreis Steinfurt. Trotz der Corona-Krise verfügt das nördliche Münsterland über eine stabile Arbeitsmarktlage, aber auch hier gibt es Schwierigkeiten. Über Einzelheiten informierte sich jetzt die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer bei Reiner Zwilling, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Rheine.

„Ja, der Arbeitsmarkt bei uns ist stabil, aber das ist eindeutig dem Kurzarbeitergeld geschuldet“, machte Zwilling deutlich. 87 Mio. Euro Kurzarbeitergeld (Kug) seien allein 2020 in Unternehmen des Kreises Steinfurt für dortige Beschäftigte geflossen. Eine abschließende Prüfung, ob das Kug auch in jedem Einzelfall berechtigt ausgezahlt wurde, steht aber noch an, betonte Zwilling. Seine Erwartungshaltung, dass in der Kurzarbeitsphase mehr Weiterbildung stattfinden würde, hat sich leider nicht erfüllt: „Da ist noch Luft nach oben“, so Zwilling und sieht da die Unternehmen, Bildungsträger und von Kurzarbeit Betroffene in der Verantwortung.

Gabriele Lange von der Stabsstelle für Chancengleichheit machte deutlich, dass es im letzten Jahr eine deutliche Steigerung von Jobverlusten bei Frauen gab. „Seit geraumer Zeit war die hohe Anzahl an Minijobs im Kreis Steinfurt zwar zugunsten regulärer Arbeitsstellen rückläufig, aber durch Corona haben besonders viele Frauen ihren sozialversicherungspflichtigen Job verloren.“ Arndt-Brauer stimmte zu, dass Minijobs gerade für Frauen in der derzeitig schwierigen Lage von Nachteil seien. Schon lange ist die Bundespolitikerin der Ansicht, dass Minijobs nur für Rentner*innen, Schüler*innen und Student*innen geöffnet werden sollten, um somit Frauen einen sozialversicherungspflichtigen Job zu ermöglichen.

Gabriele Lange nutzte die Gelegenheit der Abgeordneten ein neues Tool mit schnellen Hilfsangeboten für Frauen vorzustellen. Das speziell für Frauen entwickelte Tool mit Netzwerkadressen, soll den Berater*innen vor Ort eine direkte Reaktion auf z. B. finanzielle, persönliche oder soziale Problemlagen der betroffenen Frauen ermöglichen. Zusätzlich kann eine bei der Arbeitsagentur eingerichtete Hotline (05971/930800, Auswahl 4) die Frauen auf kurzen Weg an passende Stellen vermitteln.

Die Angebote zur beruflichen Orientierung und Beratung in der üblichen Form – eingebunden in Präsenzunterricht – ebenso wenig wie Ausbildungsmessen o.ä. stattfinden, wollte Arndt-Brauer erfahren, wie hier die Beratung und Vermittlung läuft. Im bundesweiten Vergleich setzt hier das nördliche Münsterland klare Maßstäbe: Neben einer weiterhin guten und fruchtbaren Zusammenarbeit aller Netzwerkpartner*innen, gibt es ein verstärktes Angebot über das Internet und im Rahmen telefonischer Sonder-Hotlines. So konnten auch weiterhin junge Menschen in hohem Maße erreicht werden. Eine besondere Herausforderung stellen eher diejenigen dar, die in den Schulabgangsklassen zum Jahresbeginn 2021 eben noch keine Perspektive entwickeln konnten oder noch keinen Ausbildungsplatz haben. Die Begleitung dieser Personengruppe werde online oder per Telefon gesichert. Die gewohnte „Woche der Ausbildung“ sei ausgeweitet worden, um die fehlenden persönlichen Informationsmöglichkeiten auszudehnen.

In diesem Zusammenhang ruft Zwilling Arbeitgeber*innen auf, weiterhin in ihrer Bereitschaft auszubilden, keinesfalls nachzulassen. Eine solche Bereitschaft werde aber nicht nur durch ein Stellenangebot an sich, sondern ebenso durch erkennbare Absicht, Bewerber*innen einzustellen, verdeutlicht. „Ausbildungsangebote sind zwar unverändert hoch, aber es ist derzeit schwierig, bei verschiedene Arbeitgeber*innen verbindliche Zusagen zu bekommen“, bedauert Zwilling und sieht es daher als schwierig an, in diesem und auch im nächsten Jahr, so seine Vermutung, Ausbildungsplätze in dem Umfang, wie das noch 2020 üblich war, zu besetzen. Hier ist ein Schulterschluss aller Akteure vor Ort gefordert.

Auch die Arbeitsagentur habe sich in Corona-Zeiten umstellen müssen, betonte Zwilling. Für die Beratung sei man aber gut aufgestellt und die telefonische Erreichbarkeit gesichert. „Bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt es ein bemerkenswerten Engagement, den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden entgegenzukommen.“, lobte Zwilling den oft auch persönlichen Einsatz abschließend.

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